Ein paar Jahre nach seiner Ernennung zum Archomagus wurde Elvarin Thalor vom Erlenquell von den Sylphen, welche sich in seinem ständigen Gefolge befinden, inspiriert nach dem Werk zu suchen, welches seiner Seele Bestimmung schenken möge.
In der Dämmerung eines sterngesegneten Abends vernahm er ein Wispern, so leise wie das Flattern eines Nachtfalters: ein Ruf aus dem Tal der mächtigen Eiche. Dort – wo eine ehrwürdige Eiche mit silbernem Laube inmitten zweier Linden stand, alt wie die Runen selbst – fand er das Holz, das anders atmete als jedes zuvor.
Es war nicht gefallen, sondern gegeben. Von den Himmeln gesandt. Ein Geschenk der Sterne.
Am Fuße jener Eiche ruhte ein Splitter gefallenen Sternenlichts, dessen violetter Glanz in der Dunkelheit sanft pulsierte.
Ergriffen von der Kunde einer größeren Macht, barg Elvarin das Holz und den Himmelsstein und trug beides tief in seine Werkstatt. Drei Monde lang verließ er sie nicht. In Einsamkeit, Feuer und Schweigen sprach er mit Flamme und Klinge.
Aus dem Holz der Eiche schnitzte er drei harmonische Segmente und verband sie mit zwei massiven Ringen aus dem Holz der Ur-Linde – als Sinnbilder für Wandlung, Verbindung und den ewigen Zyklus.
Noch in derselben Nacht, als der Himmel schimmerte wie ein geöffneter Schleier zwischen den Welten, nahm Elvarin ein weiteres Stück aus heiliger Linde zur Hand. Mit geduldigen Händen und hörender Seele drechselte er daraus einen Pinienzapfen – fein und lebendig, durchwirkt vom Geist des Waldes. Er sollte die Krone und das Herzstück des Stabs werden: ein Symbol für Erkenntnis, Erneuerung und das dritte Auge, umgeben von vier kleinen Lapislazuli, eingebettet wie die vier Himmelsrichtungen, durch die der Stab seinen Träger zu führen vermag.
Auf der mittleren Ebene brannte er fünf heilige Runen in einem geschlossenen Kreis in das Holz: ᚨ Ansuz – die Weisheit ᛇ Eihwaz – die Lebenskraft ᛉ Algiz – der Schutz ᛗ Mannaz – die Selbsterkenntnis ᛋ Sowilo – die Zielklarheit
Versetzt unter den Runen ruhte jeweils ein kleiner Amethyst – verstärkende Kristalle innerer Vision, wie violette Sterne auf der Oberfläche des Holzes. Am unteren Ring kreiste fünfmal der Citrin – golden, lebendig, ein Abbild reiner Sonnenkraft. Sie verbanden den Stab mit den schöpferischen Energien der Erde und entfachten ein Leuchten, das von innen heraus strahlte.
Zum Abschluss, als wäre der Stab bereit zu atmen, band Elvarin magische Federn um den Ring unterhalb des Pinienzapfens. Sanft gebettet in ein edles Lederband, flüsterten sie, sobald der Wind sie berührte – als würde der Stab selbst Geschichten aus einer Zeit vor der Zeit erzählen.
Als die letzte Rune unter dem Funken des vom Sternenfeuer entfachten Gravurstabs versiegelt ward und der rund geschliffene Amethyst seine strahlende Position auf der Krone einnahm, durchzog ein tiefes Erwachen die Werkstatt.
Doch Elvarin wusste:
„Dieser Stab ward durch meine Hände geschaffen, doch sein Geist gehört nicht mir. Er wartet.“