🪵 Die Ulme von Embla – Elvarin Thalors Begegnung mit dem Mutterholz

Es war ein Morgen, an dem der Wind Geschichten trug und die Lichtung noch im Schleier der Dämmerung lag, als Elvarin Thalor, Meister der Hölzer, dem Ruf der alten Bäume folgte.

Geführt von einem Flüstern, das nur jene hören, die mit dem Holz sprechen können, fand er sich vor einer mächtigen Ulme wieder – alleinstehend, ehrwürdig, und von einer Aura umgeben, die selbst die Krähen verstummen ließ.

🌳 Diese Ulme war nicht gewöhnlich. Ihre Wurzeln griffen tief in die Erde, ihre Krone ragte wie ein Tempel in den Himmel. Und unter ihr, so sagte man, wachte der Atem Emblas, der Urmutter der Menschen.

Elvarin sprach keine Bitte aus. Er wartete. Und die Ulme antwortete.

Mit einem leisen Knacken, fast wie ein Atemzug, löste sich ein mächtiger Ast, mindestens zwanzig Finger breit im Durchmesser – ein Geschenk, das nicht durch Zufall fiel. Kein Bruch, kein Sturm – nur die stille Geste eines alten Wesens, das gab, was gegeben werden durfte.

Mit ehrfürchtiger Hand nahm Elvarin den Ast an sich. Er wusste nicht, was daraus entstehen würde – denn das Holz sprach erst in der Werkstatt. Doch er wusste: Gefäße und Amulette aus diesem Holz würden Träger von Lebenskraft und Reinheit sein, wie es die alten Sagen versprachen.

Und so kehrte er zurück in die Gildenwerkstatt, das Mutterholz sicher gebettet, bereit für den Moment, in dem es seine Form offenbaren würde.

Denn wo eine Ulme steht, da wacht Embla – und kein Schatten kann dort lange weilen.

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